Verliert Warnemünde durch den zunehmenden Tourismus sein Flair?

Wie wir bei Facebook und Twitter mitbekommen scheiden sich an dem zunehmenden Tourismus in Warnemünde die Geister. Während sich die eine Hälfte über den steigenden Umsatz freut beklagt die andere Seite, dass Warnemünde längst an die Grenzen gekommen ist und Gefahr läuft, sein Flair als altes Fischerdorf zu verlieren. Wir wollen daher mit euch darüber diskutieren: Wieviel Tourismus ist gut für Warnemünde? Was läuft schief? Welche Ideen gibt es?

Bevor wir euch zu Wort kommen lassen wollen wir euch einen kurzen Überblick über die Fakten geben. 2013 hatten wir eine neue Rekordmarke von 1,8 Millionen Übernachtungen. Das bedeutete einen Anstieg von 6,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Während sich Betreiber von Hotels, Ferienwohnungen und Restaurants natürlich über steigenden Umsatz freuen, beklagen viele Warnemünder und Rostocker, dass der Ort in den Sommermonaten aus allen Nähten platzt. Mit der Gründung der Initiative Rostock Marketing hatte man vor einigen Jahren das Ziel gefasst, den Tourismus in der Stadt zu fördern. Wir haben das Tourismuskonzept hier noch einmal für euch eingebunden.

Tatsächlich sind durch die positive wirtschaftliche Entwicklung einige heiß diskutierte Fragen aufgekommen. Im Vordergrund steht die Frage: Verliert Warnemünde sein ursprüngliches Flair, seinen Charackter? Natürlich bedeutet Flair für jeden etwas anderes. Wir wollten daher von euch wissen, wie ihr das Thema seht. Ist der starke Andrang im Sommer unter dem Strich gut für die Stadt, weil Geld in die Kassen gespült wird? Oder haben wir mit jährlich steigenden Kreuzfahrtanläufen und wachsenden Übernachtungen langsam das Problem, dass der Ort einfach "aus allen Nähten platzt?" Wo endet das Geschäft und wo beginnt der Sell Out? 

Und da sind wir auch schon mittendrin in der Diskussion. Einigen passiert zuviel Neues, andere hingegen sehen in den Neuerungen auch Chancen. So zum Beispiel Michael Stark bei Facebook:


"Mich stört vor allem die Blockadehaltung einiger Warnemünder zu Veränderungen wie z.B. die Sanierung der Mühlenstraße und das Theater um die Kopflinden. Oder auch die Einstellung Warnemünde sollte ein "ruhiger" und "beschaulicher" Ort werden - ohne Großveranstaltungen etc. Für Touristen die Ruhe wollen gibt es Alternativen z. B. Graal-Müritz oder den Darß." 


Nun wollen wir eure Meinung wissen. Schreibt sie uns in die Kommentare.


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Kommentare: 5
  • #1

    Sebastian Müller (Dienstag, 24 März 2015 15:21)

    Für mich hat Warnemünde schon lange an seinem ursprünglichen Flair verloren. Warnemünde muss zwar kein kleines Fischerdorf sein, aber auch kein Touristendomizil auf Rekordjagd.

    Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, dass es den Tourismus gibt und er Geld in die Kassen spült. Was mir nicht gefällt ist wirklich dieser Charakter eines Ausverkaufs. Es kann einfach nicht sein, dass auf Grund des Tourismus, der Einheimische zurücksteckt. Sein es in Sachen Parksituationen im Sommer, steigenden Preisen in Gastronomie und ähnlichem oder aber auch auf dem Immobilienmarkt.

    Auch dieses Gefühl, das Historie weichen muss um neues für den Tourismus zu schaffen ist nicht schön. So werden dann mal eben uralte Häuser abgerissen oder Flächen bebaut, die nicht sein müssen. Und davon haben Einheimische in der Regel nichts, da sie weder Mieten oder Kaufpreise zahlen können. früher lagen die Fischerboote am alten Strom und man konnte noch sehen wie die Fischer die Netze flickten oder ihren Fisch direkt vom Boot verkauften. Heute gehst du zwischen Menschenmassen 2 Schritte vorwärts und 3 zurück und hast dort nur noch "Imbisskutter" und Hafenrundfahrten liegen.

    Auf jeden Fall müssen neue Konzepte her.

  • #2

    Julia Boldt (Mittwoch, 25 März 2015 13:41)

    Hallo an alle,

    Warnemünde ist ein Ort mit einem ganz besonderen Charme. Ich bin gerne und viel dort. Am liebsten frühmorgens oder dann wieder zur späteren Stunde, wenn alles noch oder wieder ruhig ist und nur wenige Menschen unterwegs sind.

    Doch der immer größer werdende Andrang, gerade wenn das Wetter besser wird und die Baustellen die gefühlsmäßig immer mehr werden trüben das Bild. Es ist nicht schön auf Bauschutt, abgerissene Gebäude und gerade im Sommer auf überfüllte Plätze zu schauen bzw. sich von A nach B drängeln zu müssen.

    Ich verstehe, dass Rostock-Warnemünde vom Tourismus lebt, sich deswegen mit Baumaßnahmen auf die kommende Saison vorbereiten will. Menschen die von weit her kommen, genauso gerne wie wir nach Warnemünde fahren um es zu genießen. Aber es ist schwer sich daran zu erfreuen, wenn die Straßen sowohl für Autofahrer als auch für Fußgänger verstopft sind, die Preise an Wucher reichen und Sehenswürdigkeiten von zu vielen Menschen überlaufen werden. Es ist verständlich, wenn Einwohner zu Spitzenzeiten die Anfahrt nach Warnemünde meiden bzw. aus Warnemünde raus wollen und nicht vor oder nach der Saison wieder mit weiteren Bebauungen optisch als auch vom Krach her eingeschränkt werden wollen.

    Bitte bewahrt den Charme von Warnemünde bei.

    Grüße aus Rostock

  • #3

    emily (Samstag, 28 März 2015 18:10)

    Ich war schon einige Sommer in Warnemünde und auch mir persönlich ist der zunehmende Tourismus aufgefallen. Natürlich hat er gute Seiten, sodass Einheimische besseren Umsatz machen können, aber die vielen Touris sind oft das einzige, was man noch in diesem Ort sieht. Ich finde zwar nicht unbedingt, dass das den Flair Warnemündes nimmt, aber es macht es auch nicht schöner. Ich bin selbst nur ein Tourist dieses Ortes, muss aber wirklich sagen, dass der Tourismus langsam nervig wird. Trotzdem hat Warnemünde trotzdem noch seinen Flair, wenn man durch alte Gassen oder am Alten Strom entlang geht und dann (hoffentlich) auch mal ein bisschen Ruhe hat.

  • #4

    Matthias (Montag, 30 März 2015 21:41)

    Ich glaube, dass das Problem seitens unserer "wunderbaren" Stadtvertretung hausgemacht ist. Egal wo man mal etwas an der Oberfläche kratzt, wird unsere Stadt immer feindseeliger gegenüber Touristen - aber auch Einwohner.

    Was ist damit gemeint?

    Nehmen wir einfach mal stumpf das Beispiel Parkplätze:

    Egal wo in Rostock oder Warnemünde ein Tourist oder auch Einwohner einen Parkplatz benötigt um beispielsweise zu schlendern oder Besorgungen zu machen, steht er vor einem Riesenproblem: Entweder gibt es schlicht und ergreifend keine Parkfläche oder sie sind bereits völlig überfüllt. Parkt man (ohne Behinderung Dritter) nicht auf offiziellen Parkplätzen, lauert das von der Stadtverwaltung oder auch gerne mal zu horrenden Preisen arbeitende privat arbeitende Knöllchengeschwader an und beginnt fröhlich mit der Abzocke.

    Fazit: Weder Einwohner noch Touristen haben auch nur ansatzweise Lust, sich zu "Rostocks Best Sponsor" kühren zu lassen und kommen erst gar nicht mehr - im Wissen, dass bequemes Aufhalten nicht nur durch diese Tücke durch Rostock abgestraft wird.

    Schauen wir auf die Hanse Sail oder den Weihnachtsmarkt: Ich als Neurostocker kenne beide Veranstaltungen aus früheren Zeiten noch so, dass beispielsweise die Hanse Sail eine ganze Woche dauerte. Sofern die Veranstaltung nicht für übermäßigen Lärm sorgte, war sie nahezu "open end". Heute sind beide Veranstaltungen, die eigentlich ein Besuchermagnet gelten sollen und sollten und damit potentielles Geld für die Stadt bringen könnten, so stark reglementiert, dass nicht nur stetig die Besucherzahlen deutlich abnehmen sondern, um dem verwalterischen Irrsinn genug Boden zu bieten, die Schausteller mit immer wilderen und kreativeren "Neuregelungen" künstlich ferngehalten werden. Da benötigt es wenig kaufmännischen Wissens um zu erahnen, was bei diesem Trend in einigen Jahren passiert: Die Hanse Sail wird zur Hafenrundfahrt für den Stadtrat und Senat - natürlich unter Ausschluss des niederen Volkes - und aus dem Weihnachtsmarkt wird eine Kleinstadtveranstaltung mit zwei Pommesbuden und einmal Ballwerfen.

    Was also erwarten wir von der von den Touristen abhängigen Branche in unserer Stadt? Wir können nicht voraussetzen, dass jeder Unternehmer es auf Dauer bewältigen kann, Personal zu halten, was er aufgrund ausbleibender Besucher bzw. Kunden nicht mehr bezahlen kann. Gleiches gilt auf lange Sicht betrachtet bei nahezu allen anderen lokalen Unternehmen.

    Was also unternehmen?
    Natürlich können wir weiter die Hände in den Schoß legen und unheimlich bedauern wie schlimm die Lage ist. Wir können aber auch die Augen öffnen und konstruktive Lösungen suchen, die umsetzbar sind.
    Beispiel der Parkmöglichkeiten: Mit den Irrsinnssummen, die die Stadt den Autofahrern im vollen Bewusstsein der Schieflage bis jetzt abgezockt hat kann problemfrei genug Parkfläche geschaffen werden (und wenn nur stumpf an Stellen, wo verkehrsberuhigte Zonen bauartbedingt völlig schwachsinnig angelegt wurden um das Parken zu verhindern oder bewusst abzukassieren die Schilder entfernt werden oder Jemand mit weißer Farbe Parkmakierungen aufträgt). Dies würde zumindest etwas Attraktivität schaffen. Solche, eigentlich völlig simplen Maßnahmen lassen sich nahezu überall anwenden - wenn man sich im Senat mal einfach nur die Mühe machen würde und den Grips einschaltet...

  • #5

    Matze (Donnerstag, 16 Juli 2015 12:39)

    Man sollte die Frage anders stellen: Was würde mit Warnemünde passieren, wenn es keine „Touris“ mehr kommen?

    Sicher braucht keiner „Gosch“ und auch die Nordseekrabben in den Fischwagen finde ich fehl am Platz, aber ich schätze die Ausrichtung der Gewerbe mit Zielgruppe Tourismus auf mind. 90%.

    Vielmehr sollte man das erhalten, was man jetzt hat… und ich meine damit die Stadt wie sie ist. Niemand braucht mehr oder andere Häuser auf der Mittelmole! DAS zerstört den Flair des Fischerdorfes.